Faszination Bobfahren – Live beim Weltcup in Innsbruck

Wer ist nicht in seiner Kindheit mit dem Schlitten einen Hügel hinuntergesaust? Die professionelle Variante ist hier das Bobfahren. 

Mich hat Bobfahren schon länger fasziniert. Und nicht nur wegen dem Film „Cool Runnings“, der die Geschichte der jamaikanischen Bob-Mannschaft bei den Olympischen Spielen 1988 in Calgary auf eine sehr amüsante Weise erzählt. 

Bobfahren gehört zu den Wintersportarten und ist da ein fester Bestandteil der Übertragungen im Fernsehen. Aber für mich ist das seit ein paar Monate noch mehr greifbarer geworden, seit ich die deutschen Pilotin Lisa Buckwitz kenne. 

Sonst meint man, dass es sich hier nur um einen Sport im Winter handelt. Aber weit gefehlt. Das wichtigste Training für die Bob-Saison findet im Sommer statt. Schwitzen im Kraftraum, Sprints auf der Tartanbahn, Simulation des Anschiebens auf der Anschubstrecke und noch vieles mehr. Olympiasieger werden im Sommer gemacht und Lisa Buckwitz wurde 2018 bei den Spielen in Pyeongchang als Anschieberin Olympiasiegerin im Zweierbob zusammen mit Pilotin Mariama Jamanka.

Ich habe die Rennen im Fernsehen schon immer verfolgt und bin da der Faszination berühmter Kurven, wie der Horseshoe in St. Moritz oder das Turbodrom am Königssee, erlegen. 

Nun hatte ich vor kurzem die Gelegenheit mal live bei einem Weltcup in Innsbruck dabei zu sein. Zum Drama um den Umbau der Bahn sage ich hier jetzt lieber mal nichts. Aber das hat mich schon Nerven gekostet, da eine gewisse Zeit nicht klar war, ob der Weltcup in Innsbruck stattfinden kann. Aber er hat stattgefunden und ich war dabei.

Freitag bin ich nach Innsbruck angereist und am Samstag in der Früh war dann der erste Tag. Mit dem Bus ging es vom Tivoli-Stadion in Innsbruck nach Igls an den Fuß der Bahn. War ein ziemlicher Marsch entlang der Bahn vorbei an der berüchtigten Kurve 13 und bis hin zum Kreisel. Da war dann erste Eindruck super. Im Kreisel kann man die Bobs schon etwas länger verfolgen und dann 20 Meter davon entfernt ist die Tribüne vom Zielbereich. Das macht das Erlebnis schon toll.

Es begann mit dem Zweier-Bob der Herren, wo sich im ersten Durchgang die drei deutschen Bobs mit Johannes Lochner, Francesco Friedrich und Adam Ammour absetzten und dies dann auch so im zweiten Durchgang ins Ziel brachten.

Aber mit dem Ziel habe ich mich nicht zufrieden gegeben. Daher bin ich im Laufe des ersten Durchgangs bis zum Start hoch gegangen und dort die Bobs in der Bahn verfolgt und dann auch am Start. Es ist schon sehr faszinierend die Energie zu spüren, wenn der Bob auf Geschwindigkeit gebracht wird. Aber was mich auch überrascht hat war die Nähe der Athleten zu den Zuschauern. Kein groß abgesperrter Bereich. Die Athleten haben sich dort, wo sich die Zuschauer zwischen den Läufen aufgehalten haben, warm gemacht. Außerdem war es auch sehr interessant zu sehen, dass jedes Team seinen eigenen Bus hat, wo die Bobs und auch das Team an den Start gebracht wird. Sicherlich kein Zuckerschlecken, dass man sich so eine Saison für seinen Sport finanzieren kann.

Aber auch die Zuschauer zu erleben war eine tolle Erfahrung. Aus allen Nationen, die mit Teams vertreten waren, hat man Zuschauer gesehen. Und auch Hardcore-Fans, die bei jedem Start oder Zieleinlauf ihre selbstgebauten Ratschen auf Touren gebracht haben. Die schönste Aussage eines deutschen Fans war, dass der oder die Beste gewinnen soll und er daher jede bzw. jeden anfeuert.

 

Nach dem Herren war dann Monobob der Damen dran. Da sah man dann auch die Team-Busse zum Start kommen und die Athletinnen machten sich auf der Straße warm. Auch hier spürte man dann die Energie, als die Damen alleine ihren Schlitten auf Geschwindigkeit brachten. Aber da merkte ich dann auch die Tücken von Wintersport. Es ist kalt und mein Handy meinte dann, dass es jetzt ein Pause braucht. So konnte ich vom Start von Lisa Buckwitz kein Video machen. 😞

Aber ich bin dann wieder zurück zum Kreisel und zum Ziel um mir dort den zweiten Durchgang anzusehen. Dort versammelten sich dann auch die Fans und feierten alle Fahrerinnen, die den zweiten Durchgang beendet haben. Viele hatten im Ziel ein Grinsen am Gesicht, als sie ihren Helm auszogen. Glaube die hatten alle viel Spaß auf der Bahn.

Für Lisa Buckwitz lief es auch gut. Nach einem vierten Platz im ersten Durchgang konnte sie sich noch auf den dritten Platz vorschieben und so ihren ersten Podiumsplatz in der Saison 2025/2026 feiern. Schön war es, dass wir uns dann zwischen Interview bei der ARD und der Siegerehrung noch treffen konnten und ich danach auch noch ihre Anschieberinnen kennenlernen durfte.

Mit tollen Eindrücken von einem langen Tag an der Bahn ging es dann wieder zurück ins Hotel. Und am Sonntag ging es dann nochmal früher los. Um 9 Uhr war Zweier-Bob der Damen angesagt. Diesmal blieb ich komplett im Zielbereich und habe mir dort beide Läufe angesehen. Diesmal sogar mit Live-Action.

Zwischen den Läufen gab es dann auch einen Punsch zum Aufwärmen. Mit einer Ehepaar aus Baden-Württemberg bin ich dann auch ins Reden gekommen. Die sind nur für den Sonntag angereist. War auch mal interessant zu hören, was sie schon so alles erlebt haben. Sie haben die Bahn in Innsbruck noch vor dem Umbau gekannt und konnten so Vergleiche ziehen.

Auch das war wieder ein tolles Erlebnis. Lisa Buckwitz hat Platz 5 erreicht und sich somit um zwei Plätze zum Weltcup-Auftakt in Cortina d’Ampezzo gesteigert.

Nach dem Ende des Zweier-Bob-Rennens trat ich dann auch wieder den Heimweg an. War ein tolles Wochenende auch mit sehr schönen Momenten. So war ich auch sehr stolz auch mich, dass ich den Weg vom Eingang zur Bahn bis rauf zum Start geschafft habe. Das sind über 100 Höhenmeter und mein Fitnessprogramm hat sich doch bemerkbar gemacht.

Wenn ich gerade diesen Blog-Artikel schreibe, laufen gerade die Trainings beim nächsten Weltcup in Hunderfossen auf der Bahn, wo die Bob- und Rodelwettbewerbe bei den Olympischen Spielen 1994 in Lillehammer stattgefunden haben. Wäre sicher auch interessant sich das dort anzuschauen. Aber beruflich doch nicht ganz leicht sowas unter einen Hut zu bekommen.

Aber der nächste Besuch beim Bob-Weltcup ist schon geplant. Mitte Januar geht es zum Weltcup-Finale nach Altenberg. Der letzte Weltcup vor den Olympischen Spielen in Cortina d’Ampezzo. Vielleicht geschieht ja dort was historisches wenn eine Athletin, die bereits als Anschieberin Olympiasiegerin geworden ist, auch als Pilotin Gold holt. Wäre gerne dabei, aber die Preise für Unterkunft vor Ort sind ziemlich horrend.

Dafür plane ich dann in der nächsten Saison mehrere Besuche an der Bahn. Innsbruck will ich auf alle Fälle wieder machen und auch alle drei deutschen Bahnen. Hoffentlich ist Königssee bis dahin wieder intakt. Und vielleicht als Krönung dann auch in die Wiege des Bob-Sports nach St. Moritz. Träumen darf man mal. 

Und nach dem Wochenende würde ich die Frage, ob ich mich selber mal hinten rein in so einen Schlitten setzen würde, nur mit Ja beantworten. Aber nur mit der Pilotin meines Vertrauens.

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